Geschichte der Computerstickerei

Geschichte der Computer- stickerei

Das Veredeln und Besticken von Textilien blickt auf eine tausende von Jahren alte Tradition zurück. Schon immer wollten die Menschen Ihre Textilien mit farbenfrohen Stickereien veredeln und verschönern.

In Laufe der Zeit wurden die Stickarbeiten immer aufwendiger und teurer. So wurden neue Rohstoffe für neue Farben gesucht und getestet um die Farbpaillette und die Haltbarkeit der Farben zu erweitern und zu verbessern.

Als Beispiel gilt das echte Purpur, welches in der Antike zu den wichtigsten und wertvollsten Farbstoffen zählte. Um ein Gramm Purpur herzustellen wurden ca. 12.000 Purpurschnecken benötigt.

Da die Gewinnung von Farben sehr kostenintensiv war, wurden bunte Farben nur von Reichen oder zu religiösen Zwecken getragen. Farben galten als Statussymbol. Das gemeine Volk trug Erd- und Naturfarben und war nicht berechtigt farbenprächtige Gewänder zu tragen.

Prächtige und sehr edle mit Goldfäden durchwobene Stickarbeiten wurden in arabischen und asiatischen Ländern gefunden. Auffällig ist der Einsatz auf alltäglichen textilen Stoffen, aber auch auf Dekorationsstoffen wie Teppichen oder Vorhängen.

Industrielle Revolution

Die Stickerei galt schon immer als klassisches Kunsthandwerk. Aber erst durch die industrielle Revolution konnten veredelte und farbige Textilien auch dem gemeinen Volk zugänglich gemacht werden.

Die erste Handstickmaschine wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts von Franz Rittmeyer und Anton Vogler in St. Gallen entwickelt. Die Nadeln besaßen ein Öhr in der Mitte, durch welches der Faden von Hand eingefädelt wurde. Da es keine Garnspulen gab, musste der Faden immer wieder neu eingefädelt werden. Der Stoff wurde hochkant aufgespannt und entsprechend der Bewegung des Pantographen in Stichrichtung weiterbewegt. Das Muster wurde Stich für Stich abgefahren.

Punchautomat

Zeitgleich erfand Isaak Groebli in der Schweiz die erste Grobstick- oder Schifflimaschine. Groebli kombinierte die Techniken von Web- und Nähmaschinen zu einer Stickmaschine. Das Garn kam von zwei Spulen, dem Ober- und Unterfaden. Die Bewegung der Maschine entsprach auch hier dem Abfahren jeden Stiches am Pantographen.

Mit der Entwicklung des ersten Punchautomaten im Jahre 1896 trennte sich der klassische Beruf des Stickers in Sticker und Puncher.

Beim Punchen wurde bei jeder Bewegung bzw. Klick des Pantographen ein Lochcode in einen langen Pappstreifen, der Jacquardkarte, gestanzt. Dieser Code wurde an der Maschine in die Maschinenbewegungen umgesetzt.

Punchen

Da das Punchen sehr anspruchsvoll ist und Fehler irreversibel waren, entwickelte sich der Beruf des Zeichners für Stickereien. Dieser vergrößerte das Muster der Stickerei und trug die einzelnen Stich-punkte ein, welche der Puncher abfahren konnte.

Während sich die Stickereimaschinen konstant von den mechanischen Antrieben über elektronische zu den digitalen Antrieben weiterentwickelten, führte erst der Einsatz von Computern beim Punchen zu einer Vereinfachung des Arbeitsprozesses und der Entwicklung erster Punchprogramme. Die Punchbretter waren durch die Vergrößerung des Stickmusters dennoch riesig.

Durch das Punchprogramm musste nicht mehr jeder einzelne Stich manuell eingegeben werden, sondern nur die Stichlänge. Ein Vorgang der auch heute oft nicht übersprungen werden kann, da bei runden Konturen häufig kleinere Stichlängen eingesetzt werden und die Kreativität des Punchers ausschlaggebend für die Schönheit der Stickerei ist.

Flächenkonturen wurden in den Anfängen durch Gradenverbindungen berechnet, später durch Kurvenbezüge.

Heute ersetzen Digitalisierungstableaus die Punchbretter. Vorlagen können direkt eingescannt und am Bildschirm digitalisiert werden. Obwohl das Punchprogramm viele Arbeitsschritte abnimmt, benötigt der Puncher ein tiefgehendes Wissen über Stoffarten und die Sticktechniken. Die neuesten Punchprogramme berechnen die Vorlagen vollständig. Je nach Qualität der Vorlage muss das Punchprogramm noch weiterbearbeitet werden.